Schon wie meine Väter bin ich in Stäfa aufgewachsen, lebe, wohne und arbeite hier. Selbst erinnere ich mich bestens an so manche schöne, interessante und einzigartige Ecken, Grünflächen und Begegnungsräume in unserem Quartier. Viele sind nicht mehr, sind anderst, wurden auch während meiner Schulzeit überbaut. Darin wohnten zum Teil auch meine Freunde und Kollegen. Ja, da kamen Familien hinzu gezogen mit Kindern in meinem Alter. Die gingen mit mir zur Schule, in die Pfadi oder in den Sportclub. Mit diesen Freunden machte ich eben das, was Jungs ebenso tun. Baustellen war ebenso interessant wie eine Wiese oder wilde Gestrüpphalden inmitten der Wohnquartiere. Es läuft immer noch so. Bis zum heutigen Tag lerne ich immer wieder Menschen kennen die neu in Stäfa wohnhaft sind. Nicht mehr in der Schule, dafür in der Feuerwehr, beim segeln, bei einem Glas Wein, eben da wo man sich als Erwachsener trifft, bei Tätigkeiten, denen ich heute nachgehe. Alle diese Begegnungen wurden und sind Teil meines Lebens. Darum lebe ich gerne in Stäfa auch wenn oder gerade weil es sich verändert. Alle, die wir hier wohnen belegen wir mehr Wohnraum fahren wir öfters mit dem Auto. Was also legitimiert uns dazu, jetzt einfach zu sagen: Halt, jetzt reichts, fertig mit der weiteren Verbauung unserer Nachbarschaft. Nicht nur Stäfa hat an Bewohnern zugelegt sondern in der ganzen Schweiz ist die Bevölkerung seit meiner Kindheit um beinahe 2'000'000 Menschen gewachsen. In der Schweiz wohnhafte Menschen haben das Recht auf Niederlassungsfreiheit, das Recht an dem Ort zu wohnen der uns gefällt wo unsere Kinder Freunde finden, wo wir arbeiten, unseren Hobbys nachgehen. Es ist unsere Aufgabe unseren Behörden und Planungsgruppen die grundlegenden Bedürfnisse unsrer selbst aber auch die unserer Kinder Kund zu tun, soll unser Dorf ein Dorf bleiben. Dass es dies bleibt, müssen die Menschen hier leben können, wohnen, arbeiten und Freunde finden können. Dann sollen unsere Kinder in der Schule und in der Freizeit in unserem Dorf Bekanntschaften machen können. Wenn wir jetzt sagen: Genug, es reicht mit dem Beton und Bauordnungen erlassen, welche die Bebauung einschränken, dann verteuern wir die Landpreise und die Mieten erst recht. Was solls, denkt sich einer, ich wohne jetzt ja da und mir gefällts und es soll so bleiben, für mich und meine Kinder..... Wenn etwas bleibt, dann ist es der Wandel und wir können ihn beeinflussen. Das Schustergeschäft und die Schreinerei werden dereinst weder von den Kindern noch von einem zugezogenen Handwerker übernommen werden können, da das Land für ein Handwerksbetrieb zu teuer geworden ist. Die teuren Wohnungen werden mehrheitlich Bewohner anziehen die ihren Lohn zum zahlen der Miete nicht in unserm Dorf erarbeiten können, es sei denn sie haben eine der wenigen Kaderstellen. Aber selbst dann besuchen deren Kinder eine der immer zahlreicheren Privatschulen in und um Zürich so ist die Chance klein, dass die neuen Nachbarn den Weg ins Dorf finden. Unser Dorf mit 13'500 Einwohnern könnte ja auch eine Stadt sein, seit zwanzig Jahren schon, ist aber ein Dorf geblieben. Ein Dorf, wie eine Stadt wird von innen gebaut oder besser gesagt gebildet. Da reicht eine Ansammlung von Häusern, Kirchen, Schulen und Beschäftigungsmöglichkeiten nicht aus sondern die Art und Weise wie die Menschen leben und miteinander umgehen macht ein Dorf zum Dorf oder zur Stadt. Nur hier wohnen, hier arbeiten, hier sein Recht einfordern oder hier seinen eigenen Garten pflegen bereichert das Dorfleben nicht. Soll unser Dorf ein Dorf bleiben so müssen unsere Ordnungen und Regeln dazu führen, dass auch Familien mit kleinen Kindern hier ankommen, respektive hier bleiben können. Unsere Kinder und Jugendlichen gestalten morgen unser Dorf wir können ihnen heute die Regeln und Ordnungen geben, dass sie es auch gerne tun weil Stäfa ein Teil ihrer selbst ist. Aber das Bauland und deren Ausnützung beschränken weil man denkt das Boot sei voll dann fehlen uns bald die Bootsbauer, die Ruderer und die Steuermänner, die für Grösse und Typ, Geschwindigkeit und Kurs Verantwortung übernehmen wollen.
Ich staune nur, wenn ich lese, dass es zu wenig Wohnungen gibt. Seit einem Monat ist meine schöne, helle (für Herrliberg günstige) 4-Zimmer Wohnung per Mitte Oktober zu vermieten und niemand will sie. Ich verstehe es nicht:
Hier in Horgen staune ich tagtäglich. Und denke oft, dass Horgen (Stockerstrasse, Einsiedlerstrasse u.a.) neu gebaut wird. Im Grunde genommen habe ich gegen eine Entwicklung nichts einzuwenden. Ich bedaure aber sehr, dass Gebäude, die den Quartieren Charme und Identität gegeben haben, hemmungslos nieder gerissen werden. Dereinst wird man das bedauern, weil klotzige Bauten keine Attraktivwirkung mehr haben, und der Charakter des "Dorfes" flöte gegangen ist. Horgen ist zwar der Bezirkshauptort, und ich frage mich schon seit Langem, warum denn eigentlich diese Gemeinde im Vergleich zu Thalwil, Wädenswil, Richterswil u.a. immer mehr zu einem unterentwickleten Gebiet ohne Infrastruktur (meine damit Angebot für die Bedürfnisse der Einwohner)verkommt. Sicherlich ist es auch hier so, dass der kurzfristige Gewinn die langfristigen Interessen beherrscht. Ohnmacht macht sich breit, und der Wille, sich dem Kommerz nicht zu beugen, aber dennoch zu überleben.
Ich habe meine Kindheit und meine Jugendzeit in Stäfa verbracht. Seit vielen Jahren wohne ich nun in Hombrechtikon. In den letzten Jahren schwand mein Wunsch nach Stäfa zurückzukommen immer mehr, da diese Ortschaft durch seine Verbauung immer hässlicher und hässlicher wurde. Im Gegenteil, ich werde auch aus Hombi verschwinden da dort der gleiche dumme Trend eingesetzt hat.
Ich finde es einfach traurig,dass wir mit unserer Landschaft so umgehen. Ich wünsche, dass diese bauerei endlich ein Ende nimmt.Wir möchten doch,dass unsere nächsten Generationen auch noch etwas von unser wunderschönen Landschaft mitbekommen.Der Erholungswert ist bestimmt um einiges höher mit möglichst viel Grünflächen.Oder wollen wir in Batteriehaltung leben?
Vor 3 Jahren fuhr ich mit dem Schiff auf dem herrlichen Zuerichsee. Was ich aber an den Ufern des Sees sah, einfach unglaublich. Ich verliess Meilen vor 14 Jahren fuer die USA. Ich war erschreckt, wie unschoen in der Zwischenzeit am ganzen See gebaut wurde. Vom Ufer bis zum Waldrand hinauf. Terrassenhaeuser aus grauem oder weissen Beton. Wo frueher Wald war am Pfannenstihl, nur noch Betonhaeuser.Wo frueher Schilf am Seeufer war, eine klotzige Seevilla.
Ich bin froh, dass ich diese Ver- bauereien nicht mehr taeglich sehen muss.
Schön, dass die Zürichsee-Zeitung ihr ureigenstes Thema aufgreift.
Es ist zu begrüssen, dass die Region sehr beliebt ist. Der Zürichsee ist ein Schmuckstück und zieht Menschen an. Als gebürtiger Auer ist dies meine Heimat, die ich sehr verinnerlicht habe. Der See fasziniert mich von Kind an.
Die Zersiedelung selbst schien mir in der Region immer sehr willkürlich vonstatten zu gehen. Mit wenig Konzept kommt ein Aldi und Lidl. Betonterrassenhäuser, ein wenig einfallslos gestaltet, werden andererseits als Wohnhäuser gebaut. 20 Mehrfamilienhäuser in ein und demselben trüben grau renoviert, bei Regenwetter eine wirklich traurige Stimmung schaffend. Eine Wiese nach der anderen verschwindet, so ist es nun einmal. Leider sind die optisch schönen Neubauten nach meinem persönlichen Dafürhalten eher rar.
Die Preiskategorien sind mancherorts horrend, Kauf ist für Normalverdienende nur unter sehr grossen Entbehrungen möglich, die Mieten selbst sind selten bescheiden und stehen bei vielen Menschen häufig in einem unausgewogenen Verhältnis zum Einkommen. Es mag zwar sein, dass die Steuern tendenziell gesunken sind. Der Kostentreiber des Immobilienmarktes sowohl für Käufer wie auch Mieter hat häufig mehr Gewicht.
Insofern scheint mir wichtig, dass die Gemeinden in Zukunft mit einer klugen Politik nachhaltiger funktionieren. Vergaben sollten häufiger zu Raumplanungskonzepten passen, architektonische Ansprüche erfüllen. Faire Mieten und Landpreise, nachhaltiges Bauen, Minergie als Standard sollten gewichtige Faktoren sein, autofreie Siedlungen sollten gewagt werden. Weiter ist an die Aufwertung der Naherholungsgebiete, die Ausweitung des Seeuferweges, Förderung des lokalen Fahrradverkehrs, Ausbau von Fussgängerzonen, attraktive Stadtzentren, regional vernetzte Busbetriebe und 15 Minuten S-Bahntakt zu denken. Kulturelle Aktivitäten sowie ein gutes Vereinswesen für Sport, Spass und Freundschaften werten Kleinstädte auf und sind zu fördern. Eine Perspektive dieserart verspricht eine intakte und nachhaltige Region, das ist sicher und vieles machbar. Diese Investitionen sind im Verhältnis günstig und geben der Bevölkerung immateriellen Mehrwert wie auch direkte erhebliche Kostenersparnisse durch gerechtere Mieten und Kaufpreise für Eigentum. Die bürgerliche Sparpolitik, welche die Region seit Jahrzehnten dominiert, ist viel zu dogmatisch monetär fixiert. Das Ergebnis sieht man in der konzeptlosen Überbauung der Region, die zugleich immer teureren Wohnraum generiert. Ich kann hier wirklich keine Bestnoten verteilen.
( Zum Artikel „ Geborgenheit statt Käfighaltung“ in der Zürichsee-Zeitung vom 26.2.08 )
Der Baumboom am oberen Zürichsee scheint kein Ende zu nehmen. Die Gemeinden wachsen zu einer strukturlosen Agglomeration zusammen. Für die Generalunternehmen ein gefundenes Fressen, für die Gemeinden interessant, bringen doch die wohlhabenden Neuzuzüger schöne Steuereinnahmen. Letztlich alles ein kurzsichtiges Spiel ums Geld.
Lebensqualität lässt sich jedoch nicht nur durch einen tiefen Steuerfuss und ungebremstes Wachstum definieren. Eine erträgliche Besiedlungsdichte mit grossen Grünzonen, viel Natur und überschaubaren Dörfern ist die Voraussetzung, dass wir uns hier am Zürichsee zu Hause fühlen können. Wo Trabantenstädte entstehen, sind die Probleme vorpro-grammiert. Es wäre für unsere schöne Gegend ein Segen, würden dies die Bewohner am oberen Zürichsee noch genügend früh einsehen und politisch entsprechend handeln, bevor alles unwiederbringlich zubetoniert ist.
Vielleicht verdanken die Gemeinden ihren Reichtum zu einem grossen Teil auch dem (störenden) Bauboom. Ein Reichtum welchen sie für die Befriedigung der Begehrlichkeiten ihrer Bürger benötigen. Bauen bringt Arbeit, Verdienst und eben auch dringend benötigte Grundstück- und Handänderungssteuern. Der Preis für diesen Grössenwahn ist u.a. der Verlust unserer Lebensqualität und langfristig der Wohnatraktivität. Dann wird sich das Rad wieder zurück drehen.
Ist es nicht vielleicht so, dass gerade die Neuzuzüger eine intakte Landschaft nun vermissen oder sogar verlangen? Obwohl sie in einem Haus wohnen, dass vermutlich vor 10-12 Jahren so dort überhaupt noch nicht gestanden hat. Schade ist es allemal - aber verhütbar?
Die Verstädterung der Zürichseegemeinden ist schade. Die Bauordunungen lassen nur noch verdichtete, Nullachtfünzehn bauten zu. Ein Einheitsbrei, zwei drei Architektenbüros duplizieren ihre fantasielosen Kreationen, nichts schönes. Grünflächen verschwinden. Die Seestrasse ist entsprechend verstopft. Dort wo ein Haus gestanden sind, stehen nun zwei, eckig, mit mikrigen Wohnungen zu übersetzten Preisen. Und was tun die Gemeinden? Nichts, bis nicht viel...
Mich hat es auch erstaunt, als ich letzthin gelesen habe, dass in Horgen Bauland zu 1750 Franken pro Quadratmeter verkauft wurde. Es boomt am See.
Leider wird dadurch grosszügiges Bauen unerschwinglich, das ist schade... Nur Terrassenhäuser und Etagenwohnungen statt stattliche Villen mit Umschwung - die einzige Gemeinde, die noch vornehmlich aus Einfamilienhäusern besteht - Zumikon - wird leider als Anflugschneise vergewaltigt, also auch dort keine heile Welt mehr.
Hans-Ulrich Reichling, Präsident der Baugenossenschaft Zürichsee, schlägt Alarm: Wegen der hohen Immobilienpreise ist die soziale und altersmässige Durchmischung hier akut gefährdet. Auch den Leserinnen und Lesern der "Zürichsee-Zeitung" brennt das Thema unter den Nägeln, wie Reaktionen zeigen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung? Haben Sie auch Erfahrungen mit der schwierigen Suche nach zahlbarem Wohnraum gemacht?
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