«Wir sind überglücklich, dass wir den Stall nun doch bauen können, nachdem wir so lange dafür kämpfen mussten», erklärt Landwirt Fridolin Kamm. «Am meisten würden sich die Tiere freuen, wenn sie wüssten, was gerade entschieden wurde», fügt er lachend an. Während die Kühe heute eng nebeneinanderstehen und angebunden sind und die Mastrinder auf Spaltenböden ausharren müssen, werden sie sich im neuen Stall frei bewegen können. Der moderne Stall sei ganz auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt, schwärmt Kamm. Die Erleichterung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Nach langem Tauziehen hat die Geschichte um einen geplanten Freilaufstall auf dem Privatbesitz des Schlossgutes in Teufen ein positives und wichtiges Zwischenziel erreicht. Der tierfreundliche Stall kann gebaut werden. «Wir haben einen Meilenstein erreicht, mit dem die Zukunft für eine weitere Generation gesichert ist», sagt Kamm, der den Betrieb des Vaters übernehmen wird. Nach der langen Zeit des Wartens seien sie nun froh, dass es weitergehe. Nun gilt es, die Detailplanung zu machen und die Finanzierung zu sichern. Der neue Freilaufstall ist für 70 Kühe und 20 Kälber geplant. Der geplante Baubeginn ist für das Frühjahr 2013 vorgesehen.
Langes Hin und her
Lange befand sich die Familie Kamm in einer existenzbedrohenden Zwickmühle. Einen grösseren Stall benötigte sie dringend. Denn das neue Tierschutzgesetz, das am 1. Juli 2013 in Kraft tritt, fordert bessere Haltebedingungen. Um den neuen Bestimmungen zu entsprechen, hätte die Familie den heutigen Stall in den Gebäuden des alten Schlosses umbauen müssen. Mit den neuen Vorschriften hätten weniger Tiere darin Platz. Und einen Ausbau des bisherigen Stalls verbietet der Denkmalschutz. Die Kamms hätten ihre Herde massiv verkleinern müssen. Ein wirtschaftlicher Betrieb wäre nicht mehr möglich gewesen. Die Familie, die auf Schloss Teufen seit Generationen einen Landwirtschaftsbetrieb mit Milchwirtschaft, Futter-, Ackerund Rebbau betreibt, wäre vor dem Aus gestanden.
Der Bau eines neuen Stalls am Eingang zum Junkerntal, einem Schutzgebiet von nationaler Bedeutung, scheiterte fast am Landschaftsschutz. Schon 2010 wollte die Familie mit dem Bau beginnen, doch der Kanton hatte die Bewilligung für die ursprünglich geplante Variante des Freilaufstalls nicht erteilt. Schliesslich konnten sich die beiden Parteien aber einigen. Es erfolgte eine neue Eingabe mit einem leicht überarbeiteten Bauprojekt. Die Baubewilligung für den Freilaufstall wurde am 3. Mai 2011 erteilt. Dagegen erhoben allerdings zwei Naturschutzorganisationen, darunter die Pro Natura Zürich, Rekurs. Eine neue, ungewisse Zeit des Wartens begann. Das Baurekursgericht hat die zwei Rekurse nun aber abgewiesen. In ihrem Entscheid schreibt das Gericht: Zusammenfassend ergebe sich, dass für das Baurekursgericht kein Anlass bestehe, korrigierend in die Entscheide der Vorinstanzen einzugreifen.
Silos müssen kleiner werden
Andreas Hasler, Geschäftsführer Pro Natura Zürich, zeigt sich wenig erfreut über den Entscheid: «Wir sind nach wie vor der Meinung, dass der zu grosse Stall nicht in die Landschaft passt. Wenn er halb so gross wäre, hätten wir bestimmt einen Weg gefunden.» Pro Natura würde nun aber keine Möglichkeit sehen, um den Streit rechtlich zu gewinnen.
«Wir sind froh, dass die Landwirtschaft auch in einem geschützten Gebiet Platz hat», kommentiert Kamm den Entscheid. Allerdings habe der lange Prozess sehr viel Substanz gekostet. Es zeige sich, wie schwierig es im heutigen Umfeld sei, für die Landwirtschaft überlebenswichtige Anliegen durchzubringen. Dabei würde die Familie einen Grossteil der Arbeit für den Landschaftsschutz leisten. «Ich wüsste nicht, wie man das Weideland im Junkerntal anders als mit Tieren bewirtschaften könnte.» Eine Konsequenz hat aber der Landschaftsschutz auf das Bauvorhaben: Die Höhe der vier geplanten Futtersilos muss redimensioniert werden. Statt der geplanten 16 Meter soll die Höhe der Siloanlage auf 12,5 Meter reduziert werden. Das sei kein Problem, versichert Kamm. Er müsse vielleicht ein zusätzliches Silo einplanen.
Grosse Unterstützung
Auch der Umstand, dass sich der Bau um drei Jahre verzögert hat, sollte keine Schwierigkeiten verursachen. «Wenn alles rund läuft, sind wir pünktlich zur Einführung des neuen Tierschutzgesetzes mit dem neuen Stall fertig», erklärt der Landwirt. Und wenn es zwei, drei Monate länger dauern sollte, werde das Veterinäramt bestimmt ein Auge zudrücken. Schliesslich habe die Familie seit Jahren nach einer Lösung gesucht.
Die Familie Kamm konnte während der langen Wartezeit auf Unterstützung von verschiedenen Stellen zählen. «Wir danken allen Leuten, die uns in dieser ungewissen Zeit moralisch und tatkräftig unterstützt haben», sagt denn auch Vater und Gutsbesitzer Martin Kamm. Neben vielen Privatpersonen sei die Unterstützung der Gemeinde Freienstein-Teufen und des Zürcher Bauernverbands wichtig gewesen. «Wir haben gesehen, dass es sich lohnt, für die Zukunft einzustehen und für ein Vorhaben zu kämpfen», sagt Fridolin Kamm und freut sich, dass er dereinst den Betrieb seiner Eltern auf Schloss Teufen weiterführen und -pflegen kann.
