Radball
Online seit 31.01.2012 0:00
Dank Ausdauer aus dem Schatten
Reto Baumgartner nimmt Mass: Der Nürensdorfer peilt in der NLB den Ligaerhalt an. Bild: lw
Radball. Mit einem Sieg und zwei Niederlagen ist Reto Baumgartner mit Bassersdorf-Nürensdorf in seine zweite NLB-Saison gestartet; es soll nicht seine letzte sein.
Peter Weiss

Zum Auftakt der ersten NLB-Runde in Sirnach setzte sich Baumgartner mit Partner Thomas Meier noch gegen die erste Mannschaft des RV Winterthur 6:5 durch. In der zweiten Partie unterlagen die Unterländer dann aber der dritten Winterthurer Equipe 3:6, und zum Abschluss der Runde resultierte ein 4:8 gegen Frauenfeld. «Der Sieg gegen die stärkste Winterthurer Mannschaft war eher überraschend, die Niederlage im zweiten Spiel dafür unnötig», kommentiert Baumgartner, «da sind wir durch zwei, drei kleine Konzentrationsfehler in Rückstand geraten und dann war es schwierig, noch aufzuholen.» So findet sich Bassersdorf-Nürensdorf, das jedoch weniger Spiele absolviert hat als die meisten Konkurrenten, auf Platz 12 wieder, was am Ende der Saison den Gang in die Abstiegsrunde bedeuten würde.

Schon am Ende der vergangenen Spielzeit schafften die Unterländer den Ligaerhalt erst in der Abstiegsrunde, als der eigentlich zurückgetretene Björn Reiser für den abwesenden Meier einsprang und gemeinsam mit Baumgartner Spiel um Spiel gewann. Für die neue Spielzeit schätzt der ETH-Ingenieur, der seine Diplomarbeit dem quantitativen Risiko-Management widmete, die Abstiegsgefahr erneut als hoch ein: «Wenn man sieht, wie knapp das war, kann das Ziel realistischerweise nur Ligaerhalt heissen.»

Partnersuche mit Hindernissen

Doch selbst wenn es am Ende ob mit oder ohne eine Reisersche Sonderschicht reicht, die Klasse zu halten, droht Baumgartner der Abschied aus der NLB. «Thomas Meier hat schon angekündigt, dass dies definitiv seine letzte Saison sein wird und ich mir einen neuen Partner suchen müsse», berichtet Baumgartner, und zeigt Verständnis: «Ich verstehe das gut, seine Knie und seine Schulter schmerzen nach jeder Meisterschaftsrunde so stark, dass es auf lange Sicht sicher vernünftig ist, aufzuhören.» Die sportliche Partnersuche möchte Baumgartner primär im eigenen Verein starten, sich aber auch an den fünf NLB-Runden umhören. Ganz einfach wird dies aber nicht.

«So wie die meisten Leute Rechtsoder Linkshänder sind, haben Radballspieler auch eine stärkere Seite beim Schiessen und Passen mit dem Velo», erklärt der 33-Jährige, «ausserdem sind die meisten entweder als Goalie oder als Feldspieler ausgebildet und können nicht ohne Weiteres die jeweils andere Rolle übernehmen.» Und damit nicht genug: «Auch leistungsmässig und menschlich sollte es passen.» Zwei Radball-Spieler müssten zwar nicht unbedingt die dicksten Freunde sein, doch für das bessere Zusammenspiel auf dem Feld sei es notwendig, sich auch neben diesem zu respektieren. Baumgartner: «Man muss Vertrauen in den anderen haben, für ihn auch einmal eine Lücke auf dem Feld schliessen. Wenn man sich über den Partner aufregt, klappt das weniger gut.»

In der Jugend Ski statt Rad

So bleibt zu hoffen, dass Reto Baumgartner mit seiner sportlichen Partnersuche Erfolg hat und er auch in einem Jahr noch seinen Sport in der zweithöchsten Liga des Landes ausüben kann. Schliesslich besucht der Nürensdorfer neben dem Training im heimischen Klub Woche für Woche auch jenes in Männedorf. Ausserdem ist er von körperlichen Beschwerden bisher verschont geblieben und möchte sich stetig weiter verbessern.

Das war schon zu Beginn seiner Radball-Karriere so. Sein Vater, der den Sport früher selbst ausgeübt hatte, brachte den Neunjährigen, der so gerne Rad fuhr, auf die Idee, es doch im örtlichen Radball-Training zu versuchen. Und Baumgartner war trotz oder gerade wegen der Schwierigkeit des Sports von Anfang an begeistert: «Radball hat so viele verschiedene Elemente, es braucht Kraft und Balance, Ausdauer und Geschicklichkeit, Spielwitz und taktisches Verständnis, Kampfgeist und Zusammenspiel im Team das ist eine ständige Herausforderung, auch heute noch.» Baumgartner gerät ins Schwärmen, wenn er von seinem Sport erzählt. Mit seiner Begeisterung steckte er damals auch den Nachbarjungen Cyrill Heer an, mit dem er jahrelang ein erfolgreiches Team bildete. 1990 gewann das Duo den Schweizer Meistertitel bei den Schülern B.

Dies blieb bis heute Baumgartners grösster sportlicher Erfolg auch weil er kurz darauf dem Radball für einige Jahre Lebewohl sagte und leistungsmässig Skirennen fuhr. «Dass ich in dieser Zeit, in der man Bewegungsabläufe am besten lernt, eben nicht Radball gespielt habe, merke ich leider heute noch», sagt er. Dass er bislang eher im Schatten der Bassersdorfer Radball-Grössen wie Björn Reiser, Roland Baumgartner, Armin Hefti oder Thomas Meier gestanden ist, erklärt er denn auch mit dieser damaligen Radball-Abstinenz. Doch während diese langjährigen Klubkollegen entweder bereits abgetreten sind oder ihren Rückzug vorbereiten, denkt Baumgartner daran noch lange nicht. So könnte er, als dessen grösste Stärke im Spiel der nie versiegende Einsatz gilt, dank seiner Ausdauer bald aus dem Schatten seiner einstigen sportlichen Vorbilder treten.