Online seit 27.01.2012 0:00
Die Spitex erledigt den «Wochenkehr»
Gabriella Brülisauer ist Leiterin der Spitex Bülach.
Bülach. Wenn jemand nach einer Operation oder im Alter den Haushalt nicht mehr erledigen kann, hilft die Spitex. Allerdings zu einem höheren Tarif als eine Putzfrau. Dabei trägt die Gemeinde bereits einen Teil der Kosten. Wieso, das erklärt Gabriella Brülisauer.
Interview: Céline Trachsel

Die Spitex bietet neben Pflege auch Haushalthilfen an das sind Spitex-Mitarbeiterinnen, die bei den Patienten vor allem putzen. Was sind das für Hilfen?

Gabriella Brülisauer:

Wir sind dafür verantwortlich, dass im Haushalt die Sauberkeit erhalten bleibt, wenn jemand nicht mehr selber dafür sorgen kann. Allerdings erledigen wir nur den «Wochenkehr», also die wöchentlichen Putzaufgaben wie das Staubsaugen, das Reinigen der Badezimmer, das Waschen der Kleider und das Bügeln. Grössere Arbeiten wie zum Beispiel das Reinigen der Fenster gehört nicht dazu. Die Gemeinde übernimmt einen Teil des finanziellen Aufwandes. Wir von der Spitex müssen wirtschaftlich denken und nicht zu viele Kosten verursachen.

Wer nimmt diese Hilfe in Anspruch?

Ein grosser Teil sind Rentnerinnen und Rentner. Oft sind diese über 80 Jahre alt. Sie können wegen Rückenoder Kniebeschwerden nicht mehr den ganzen Haushalt bewältigen oder können sich nicht mehr bücken, weil ihnen schwindlig wird. In solchen Fällen übernehmen wir die Reinigung. Aber manchmal brauchen diese Kunden auch etwas Betreuung, zum Beispiel helfen wir ihnen beim Einstieg in die Badewanne, damit sie sich sicher fühlen und damit sie duschen können. Dafür sind unsere Mitarbeiter auch ausgebildet. Die Haushalthilfe benötigen manchmal auch jüngere Hausfrauen oder Hausmänner, wenn sie zum Beispiel nach einer Operation eine unterstützende Hand im Haushalt brauchen.

Das heisst, wenn eine Hausfrau beide Beine gebrochen hat, muss der Ehemann keine fünf Wochen freinehmen, um den Haushalt zu schmeissen?

Er muss zwar einkaufen gehen, aber den «Wochenkehr» und die Wäsche kann die Spitex übernehmen.

Und wie viel kostet eine solche Hilfe pro Stunde?

Der Preis richtet sich nach dem steuerbaren Einkommen und Vermögen desjenigen, der die Hilfe beansprucht. Das variiert zwischen 29 und 50 Franken. Die Vollkosten sind jedoch höher: Eine Stunde Spitex kostet eigentlich 77 Franken. Darin enthalten sind Wegzeiten, Kosten für die Einsatzplanung, wöchentliche Sitzungen mit den Spitex-Mitarbeitern, die Leitung oder etwa die Miete der Spitex-Räume. Die Spitex darf diese Kosten aufgrund des Gesundheitsgesetzes den Kunden nicht weiterverrechnen. Deshalb übernehmen die Gemeinden die Differenz.

77 Franken das ist wesentlich mehr, als eine normale Putzfrau kosten würde. Dann könnten Kranke ja auch ein Inserat schalten und sich privat eine Putzhilfe suchen.

Ja, das wäre ebenfalls eine Lösung. Aber wer privat eine Putzfrau beschäftigt, muss die AHV selbst abrechnen und ihr sonstige Nebenkosten bezahlen. Das ist für alte Menschen oft zu viel Aufwand. Am besten suchen sie deshalb eine Putzfrau über eine Organisation, die Reinigungspersonal vermittelt. Dieses ist zum Teil günstiger als die Spitex deshalb vermitteln wir unseren Kunden auch den Kontakt zu diesen Organisationen.

Beteiligt sich die Krankenkasse an den Kosten, wenn jemand eine Putzhilfe benötigt?

An das Honorar für herkömmliche Putzfrauen zahlt sie nichts. Wenn jemand privat versichert ist, deckt die Krankenkasse hingegen die Haushalthilfe der Spitex, wenn der Arzt eine solche für nötig hält allerdings nur bis zu einer festgelegten Höchstlimite pro Jahr. Der Betrag, den die Spitex dem Kunden verrechnet, kann der Privatversicherte dann der Krankenkasse weiterbelasten. Die Gemeinde zahlt dabei immer noch den Differenzbetrag, um die effektiven Vollkosten zu decken.

Das heisst: Wer eine private Versicherung bei der Krankenkasse hat, zieht die Spitex als Haushalthilfe vor obwohl eine normale Putzfrau billiger wäre.

Genau, das ist richtig.