Online seit 26.01.2012 0:00
Abschied von der heilen Welt
Die Kinder der Mehrklassenschule in Gerlisberg müssen sich bald endgültig von ihrer Lehrerin Margrit Brunner verabschieden. Bild: Sibylle Meier
Kloten. Seit fast 180 Jahren wird im kleinen Schulhaus in Gerlisberg unterrichtet. Nun soll es für immer geschlossen werden. Doch die Gerlisberger geben ihre Schule nicht kampflos auf.
Karin Wenger

Die Nachricht über die geplante Schliessung der Schulklasse in Gerlisberg hat die Bewohner des kleinen Weilers empfindlich getroffen. 16 Kinder besuchen dort gemeinsam die 1. bis 4.?Klasse. «Die altersdurchmischte Klasse hat viele Vorteile», sagt Lehrerin Margrit Brunner. «Die Kinder lernen voneinander, helfen sich gegenseitig und werden sehr selbstständig.» Seit zwölf Jahren unterrichtet Brunner altersdurchmischte Klassen. Da sie eine Zusatzausbildung als Heilpädagogin hat, wurden in den letzten Jahren auch einzelne Kinder mit besonderen schulischen Bedürfnissen aus dem Klotener Stadtgebiet in Gerlisberg unterrichtet.

Überalterung befürchtet

Doch im nächsten Schuljahr werden es nur noch zwölf Erstbis Viertklässler sein. Zu wenig, um die Schule aufrechtzuerhalten, hat die Klotener Schulpflege beschlossen. Die Gerlisberger Kinder müssen ab nächstem Schuljahr im «Nägelimoos» zur Schule.

Inzwischen hat sich eine Interessengemeinschaft Pro Schule Gerlisberg gebildet. 22 Personen trafen sich am Dienstag im Schulhaus und besprachen, wie sie gegen die geplante Schliessung vorgehen könnten. Die Gerlisberger überlegen sich, einen Verein zu gründen, der gegen den Beschluss der Behörde vorgehen soll. Die Eltern sind der Meinung, dass die Klassen mit Kindern aus dem Stadtgebiet aufgefüllt werden könnten. Auch eine Tagesschule wäre für sie eine Möglichkeit. «Wir befürchten, dass Gerlisberg ohne eigene Schule überaltert, weil keine Familien mehr zuziehen», sagt Shalin Kapur, deren Tochter die Schule im kleinen Weiler besucht. Die Eltern wollen deshalb alle rechtlichen und politischen Möglichkeiten ausschöpfen. Die Welt sei in Gerlisberg noch heil, und das soll sie auch bleiben. Dafür wollen sie kämpfen.

Die Klotener Stadträtin und Schulpräsidentin Corinne Thomet hat Verständnis für den Ärger der Gerlisberger. Doch die Eltern wollen kein Verständnis, sondern eine Lösung, wie ihre Schule weiterbestehen kann. Und diese Lösung kann ihnen die Schulbehörde nicht bieten.

Mehr zum Thema in der Printausgabe des «Zürcher Unterländers» vom 26. Januar.